Kriegerdenkmäler und Totengedenken in der Pfarrgemeinde:

Pfarre MARIAPFARR - 1. Weltkrieg:

Die Krieger- und Veteranenvereine konzentrierten sich zunächst auf die Versorgung der Invaliden und Hinterbliebenen, doch später widmeten sie sich auch dem Gefallenengedenken. So wurden bald Feiern zum Gedenken an die gefallenen, vermissten und verstorbenen Kameraden sowie die Pflege der Kriegerdenkmäler und Grabstätten organisiert.

Gefallene des 1. Weltkrieges 1914 - 1918

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Im ersten Weltkrieg hatte die Pfarrgemeinde Mariapfarr genau 100 Gefallene zu beklagen.
Dies veranlasste die Heimkehrer am 19. November 1922 in einer öffentlichen Versammlung die Errichtung eines „Heldendenkmals“ zu beschließen.

Der aus ST.MARGARETHEN gebürtige Pfarrer Josef MÜHLBACHER konnte für die Idee gewonnen werden. Er entwarf ein Modell, das in der Marmorindustrie im bayrischen KIEFERSFELDEN vom akademischen Bildhauer Johann WÜHR aus Untersberger Marmor herausgehauen wurde. Am 7. September 1924 wurde das Kriegerdenkmal feierlich eingeweiht. Dazu wurde eine eigene Broschüre herausgegeben.

 

Gemeinde GÖRIACH:

Am 9. August 1929 wurde das von der Alpenvereinssektion Wienerland der Gemeinde GÖRIACH gewidmete Kriegerdenkmal von Pfarrer Dr. Georg OBERKOFLER eingeweiht. Es wurde später im Zuge des Kirchen- und Schulbaues abgetragen und an der Ostseite der Kirche wiedererrichtet.
Auf Initiative von Karl PÖLLITZER wurde das Kriegerdenkmal generalsaniert und am 5. November 2017 durch Pfarrer Mag. Bernhard ROHRMOSER feierlich eingeweiht.
 

Pfarre MARIAPFARR - 2. Weltkrieg:

Unter dem Eindruck des 2. Weltkrieges wurde 1955 in MARIAPFARR unter Obm KLAUSHOFER ein Denkmal-Ausschuss gebildet.
Mitglieder waren: Pfarrer Johann MAIER, sowie die Bürgermeister der Pfarrgemeinde Johann PRODINGER, Peter SCHRÖCKER, Anton ZEHNER und Anton GAHR.
Nach Einbindung und Mitwirkung der Bevölkerung wurde folgender Beschluss gefasst:
Das Denkmal des Ersten Weltkrieges wird tiefer gesetzt, erneuert und um die Gedenktafeln der 160 Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkrieges erweitert.

Die Annenkapelle wird als Krypta zur Kriegergedächtnisstätte ausgebaut. In dieser Form besteht das äußere Kriegerdenkmal bis heute, die Krypta wurde allerdings modifiziert. Der Beschluss von 1955 wurde allerdings nicht abgeändert.

Gefallene des 2. Weltkrieges 1939 - 1945

 

Die Birkenallee im TOTENGASSL

tot1Die 4 Gemeinden der Pfarre MARIAPFARR haben neben dem gemeinsamen Kriegerdenkmal noch eine weitere Kriegergedenkstätte. Es ist dies die Birkenallee im TOTENGASSL.
In der Ausschusssitzung vom 12. März 1950 wurde die Bepflanzung des "TOTENGASSL" beschlossen: "Für jeden Gefallenen der beiden Weltkriege soll ein Birkenbäumchen gepflanzt werden". Der 1. Weltkrieg forderte 100 Gefallene, der 2. Weltkrieg sogar 168 Opfer. Somit standen in der Allee ursprünglich 268 Birken. Für die Finanzierung der Bäumchen und der erforderlichen Pflöcke wurde an die Angehörigen herangetreten.

1983 wurde eine schön geschnitzte, von Alois PICHLER gestaltete Tafel zur Erinnerung aufgestellt. Deren Inschrift lautet: "Diese Birkenallee wurde zum Gedenken an die Gefallenen und Vermissten beider Weltkriege von deren Angehörigen gepflanzt."

tot2Das seit langem sogenannte "TOTENGASSL" wurde unter dem Eindruck der Kriegs- und Nachkriegszeit auch kurzfristig als "HELDENALLEE" bezeichnet.
Kaspar BAUER füllte 1979 die Lücken der Allee mit neuen Birken und betreute die Allee. Nach der Grundzusammenlegung im Jahre 1986 fühlte sich wieder die Kameradschaft für die Pflege der Birkenallee verantwortlich.
Dankenswerter Weise haben sich später Rupert LERCHNER und derzeit Manfred BOGENSPERGER hauptverantwortlich der Pflege der Birkenallee angenommen.
 

Das Kriegergrab am Friedhof von ALTHOFEN

In ALTHOFEN befindet sich nahe der nordseitigen Friedhofsmauer ein stattliches Soldaten-Grab, das vom Österreichischen Schwarzen Kreuz betreut wird. Die Grabinschrift lautet: "Hier ruht tief betrauert von seinen Eltern, seinem Bruder und allen Angehörigen der Abiturient und Obergefr. Alfred SCHOETZ aus Berlin. Geb. 3. Aug 1924, ermordet am 21. Mai 1945."
Bei Mäharbeiten im Friedhof wurde festgestellt, dass das Kreuz dieses Grabes absturzgefährdet und somit sicherheitsgefährdend war. Daher wurde mit dem Schwarzen Kreuz Verbindung aufgenommen und nach den Hintergrund dieser nicht alltäglichen Grabinschrift gefragt. Aus den Unterlagen ging hervor, dass der Obergefreite von seinem Einheitsführer erschossen wurde.

GrabMit der Kapitulation von NS-DEUTSCHLAND wurde auch in ÖSTERREICH am 8. Mai der Krieg offiziell beendet. Warum erschießt ein Einheitsführer nach Kriegsende einen Soldaten und war er dazu überhaupt befugt?

Johann PRODINGER, vlg. THOMANBAUER, wusste aus seinen Kindheitstagen und auch von oftmaligen Erzählungen der Nachbarn folgendes zu berichten:
Anfang 1945 fluteten die sich zurückziehenden Truppen der Deutschen Wehrmacht durch den LUNGAU in Richtung Tauernpass und weiter nach Norden. Der Obergefr. SCHOETZ, Sohn eines Pfarrers, hatte seine Einheit verlassen, um schneller in die englische Besatzungszone zu gelangen. Ob dies vor oder nach Kriegsschluss erfolgte ist unklar. Er wurde am Waldrand bei STRANACH von einer Ortsstreife seiner hier anwesenden Artillerieeinheit, der 5/128, erkannt und ergriffen. Für seinen Einheitsführer war er ein Deserteur und er arretierte ihn in einem Nebengebäude des KÜHBARN-Hofes. Durch Rufe versuchte der eingesperrte Obergefreite die Zivilbevölkerung auf sich aufmerksam zu machen und seine Freilassung zu erreichen. Aber es war der Bevölkerung nicht möglich etwas für ihn zu tun, da dieser Bereich als Internierungslager galt. Der ehemals zuständige Divisionsrichter lehnte es ab nach der Kapitulation ein Verfahren zu eröffnen.
Sein Einheitsführer organisierte nun ein "Standgericht" und verurteilte Alfred SCHÖTZ zum Tode. Soldaten der 5/128 unter dem Kommando des Batterieleutnants erschossen den Obergefreiten. Danach wurde die Leiche in einem Ameisenhaufen "begraben". In den folgenden Tagen wurden aber seine Beine durch die Ameisen wieder freigelegt, was zum Fund der Leiche führte.
Der damalige, in STRANACH wohnende Gemeindesekretär von MARIAPFARR meldete den grausigen Fund und veranlasste die Information seiner Angehörigen. Die Eltern des Obergefreiten reisten nach MARIAPFARR und sorgten für eine würdige Bestattung am Friedhof ALTHOFEN.
Pfarrer SCHOETZ betrieb nun hartnäckig und gegen viel Widerstand die Verfolgung der Straftäter. Das Urteil erging 1949: 3 Jahre 6 Monate Gefängnis für den Einheitsführer, 1 Jahr 8 Monate für den Leutnant, wegen Totschlags in mittelbarer Täterschaft bzw. Beihilfe zum Totschlag. (DER SPIEGEL 47/1949)

 

Gemeinde SANKT ANDRÄ:

Auch ST.ANDRÄ gedenkt seiner Kriegsopfer:
Die im Zentrum von ST.ANDRÄ gelegene alte "BINGGLKAPELLE" musste einem Straßenbau weichen. Der Neubau der Kapelle wurde durch Spenden der Bevölkerung ermöglicht und als Kriegergedenkstätte gewidmet.
Am 9. Juni 1963 wurde die "Krieger-Gedächtniskapelle ST.ANDRÄ" eingeweiht.

Die Familie BINGGL fühlt sich auch mit der neuen Kapelle traditionell eng verbunden und sorgt für die Sauberkeit und den Blumenschmuck im Bereich des gesamten Kriegerdenkmales. Danke!